Naemi-Huet Logo Senior Texterin

Kreative Menschen haben es schwer. Texter*innen auch.

05. Oktober 2021

Kreative Menschen haben es in der heutigen Gesellschaft schwer. Eine Tatsache, über die sich in erster Linie kreative Menschen bewusst sind. Manchmal frage ich mich: „Warum ist das so?“ Vielleicht, weil diese Menschen irgendwie anders ticken? Ein bisschen crazy sind und statt etwas Bodenständiges zu tun, lieber ihrer Kreativität freien Lauf lassen? Oder, weil das große Geld woanders liegt? Die Ironie daran ist: Ohne Musik, Bücher, Kunst und Ähnliches würde die Welt ziemlich öde aussehen. Als Texterin kann ich davon ein Lied singen. Während Berufe wie Autor*innen, Journalist*innen, Musiker*innen & Co noch in die Kategorie “kreative Jobs“ eingestuft werden, schneiden Texter*innen in der Regel weniger gut ab.

Schublade auf, Schublade zu.

Texter*innen müssen sich mit so manchen Klischees herumschlagen. Zu den Beliebtesten zählen: “Ach, die machen doch auch nur ein bisschen copy und paste.““Texter*innen sind die modernen Tippsen.“ Diese Erfahrung machte ich schon während meiner Festanstellung. Dort existierte ein internes Ranking, angeführt von den Vertrieblern und Projektmanagern, bis ganz nach unten zu den Textern. Auch heute bekomme ich das von unterschiedlichen Seiten zu spüren. Aussagen wie “Ein bisschen schreiben? Das kann doch jeder.“ “Kann man damit wirklich Geld verdienen?“ sind keine Seltenheit.

Natürlich gibt es Berufe, unter denen man sich nur schwer etwas Konkretes vorstellen kann. Auch habe ich kein Problem damit, anderen zu erklären, was genau meine Aufgaben sind. Doch muss man diesen Beruf gleich in eine Schublade stecken? Denn Fakt ist: Texter*innen haben es schwer. Die Wertschätzung gegenüber diesem Beruf ist bei vielen nicht gegeben und oftmals werden unsere Fähigkeiten stark unterschätzt. Dabei verfügen wir über eine große Gabe. Gleich, um welche Art von Werbung es sich handelt, unsere Worte sind es, die tausende von Menschen tagtäglich beeinflussen. Ohne uns, wären zahlreiche Unternehmen weniger erfolgreich, da ihnen die richtigen Worte fehlen, um ihre Zielgruppe anzusprechen. Ebenso sind wir in der Lage, uns an verschiedenen Sprachstilen zu bedienen und in unterschiedliche Themengebiete einzuarbeiten. Ein Beruf, der weit über “ein bisschen schreiben“ hinausgeht.

Ja, und was machen Texter*innen so?

„Jemand, der beruflich Texte für die Werbung oder für die leichtere Unterhaltungskunst verfasst.“ So die Definition des DWDS (das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache). Während der erste Teil des Satzes noch nachvollziehbar erscheint, kann ich über den zweiten nur noch schmunzeln. Was bitte bedeutet “leichtere Unterhaltungskunst“? Ich wusste gar nicht, dass ich bei meiner Berufswahl unter die Komiker gegangen bin. Noch amüsanter ist die Definition, welche Google direkt ausspuckt: „Person, die Texte für die Werbung, für Schlager o. Ä. verfasst.“ Schlager?! Ich habe in meinem Leben noch keinen einzigen Schlagertext verfasst. Sicherlich gibt es Texter*innen, die eine Affinität für Schlager haben, doch irgendwie hinterlässt das Ganze einen faden Beigeschmack.

Ja, unsere Kernaufgabe ist es, sinnvolle Sätze mit möglichst viel Wirkung aneinanderzureihen. Doch damit allein hat es sich nicht getan! Vielmehr müssen wir uns in unsere Kund*innen und deren Zielgruppe hineinversetzen können. Ideen und Vorstellungen in eine sprachliche Form bringen und gleichzeitig eine Botschaft transportieren, die beim Gegenüber ankommt. Darüber hinaus beherrschen wir eine der wichtigsten Sprachen der Neuzeit: Google. Denn ohne Suchmaschinenoptimierung (SEO) verschwinden selbst die schönsten Websites und Texte im digitalen Nirvana.

„Du bist, was du tust.“

Sagt die Gesellschaft und auch ein bisschen unser Kopf. Schließlich spiegelt der Beruf die eigene Identität wider, oder nicht? Und tatsächlich: Immer wieder ertappte ich mich selbst dabei, wie ich mich für meine Arbeit als Texterin rechtfertigte – sogar persönlich angegriffen fühlte. Nach dem Motto: „Mein Job ist nur mittelmäßig, also bin ich es als Mensch auch.“ Situationen, in denen ich nach meiner Arbeit gefragt wurde, waren mir oft unangenehm und ich versuchte möglichst schnell einen Punkt hinter meine Antwort zu setzen. Einfach, weil ich keinen Bock hatte, mich anschließend wieder schlecht zu fühlen. Mittlerweile sehe ich das ganze “Du-bist-was-du tust-Ding“ etwas anders (zum Glück!). Natürlich kann man die Meinung der Leute nicht mal eben so ändern. Was ich jedoch ändern kann, ist mein persönlicher Umgang damit! Je weniger ich Kommentare dieser Art an mich heranlasse, desto besser fühle ich mich mit dem, was ich tue. Natürlich ist das gar nicht immer so einfach, doch sind wir einmal ehrlich: Letztens Endes spielt es keine Rolle, welche Art von Beruf wir ausüben. Solange wir Freude an unserer Arbeit haben, ist uns ein Teil des Erfolgs im Leben sicher.